Essay


Frösche im Hitzebad

Solche Anschläge wie auf den Weihnachtsmarkt in Berlin machen unmittelbar betroffen und führen zu oft recht scharfen Reaktionen. Was würde wohl passieren, wenn in Deutschland innerhalb einer Woche 7 000 Menschen umkämen, in Europa sogar 70 000? Solche eine Katastrophe mit so vielen Toter scheint unvorstellbar. Aber genau das ist passiert. Und zwar im Hitze-Sommer 2003. Nach einer Studie führte die Hitze im August 2003 dazu, dass ca. 70 000 Menschen in Europa starben, die ohne die Hitzewelle nicht gestorben wären (Robine et al. 2007).


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Dieser Text gehört zur „Langen Antwort an Simon“ zu seinem Kommentar hier im Blog. Insgesamt gehören mehrere Blogbeiträge zu dieser Antwort.


Ich denke, im Punkt 1 des Kommentars von Simon („Es gibt keine geschichtsphilosophische Notwendigkeit zum Kommunismus, wohl aber eine Möglichkeit“) sind wir uns tatsächlich einig. Es kann übrigens sein, dass es diese Notwendigkeit gegeben haben wird. Wenn es in Zukunft diesen Kommunismus gibt, werden die Nachkommenden in der Rückschau wahrscheinlich für unsere Zeit oder kurz danach Bedingungen rekapitulieren, aus denen sich eine Entwicklungsnotwendigkeit ergeben haben wird. Letztlich heißt Notwendigkeit, dass die Gesamtheit der Bedingungen für das Notwendige realisiert ist. Für die Zukünftigen hat es die Gesamtheit der Bedingungen dafür gegeben, dass ihre Wirklichkeit entstanden ist. Und da wir antizipierende Wesen sind, können wir uns „virtuell“ schon mal auf den Standpunkt der zukünftigen Eule der Minerva stellen (mehr dazu siehe hier).

Wo wir da stehen werden, können wir von heute aus aber nicht sicher bestimmen. Wir werden sinnvollerweise einen Standpunkt wählen, der der von uns gewünschten Zukunft entspricht (weil wir genug Gründe haben, andere abzulehnen) – dies müssen wir dann transparent machen anstatt so zu tun, als wäre von vornherein dieses „Ziel“ in unsere Geschichte eingeschrieben.

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Simon, Du siehst in Deinem Kommentar richtig, dass wir im 2. Punkt Differenzen haben: „Der Mensch strebt aufgrund seiner menschlich-allgemeinen (abstrakten) Situation zum Kommunismus.“ Das scheinen auch viele bekannte Philosophen so zu sehen: Aristoteles: Der Mensch strebt nach dem sittlich Guten. Plotin: Das Bestreben der Menschen besteht im Aufstieg zum „Einen“ (woher sie kamen). Thomas von Aquin: ethisch gutes Verhalten zielt auf die Vervollkommnung in Richtung dessen, was das Wesen ausmacht. Fichte: Der Endzweck des Menschen besteht darin, eine völlige Übereinstimmung mit sich selbst zu erreichen. Schelling: „Gebt dem Menschen das Bewußtseyn dessen, was er ist er wird bald auch lernen, zu seyn, was er soll“ (siehe hier). Seit Augustinus wird jedoch auch die Ambivalenz betont: Der Mensch hat auch die Möglichkeit, das Gute zu verfehlen: Während Gott immer gut ist, steht der Mensch vor der Wahl: Er kann gut sein. Man kann das unterschiedlich lesen: Er kann wenigstens gut sein, es ist nicht ausgeschlossen. Oder aber: Er kann auch nicht gut sein. Dass Veränderung typisch für Menschen ist, meinen auch andere: Der Praxisphilosoph Flego: „Das Wesen des Menschen ist nicht das, was er schon ist, sondern das, was er noch werden kann“. Bloch: „der Mensch…invariant gerade als das sich … stets überschreitende Wesen“ (Mehr zum Begriff des Menschen bei Bloch). Sartre: „Der Mensch ist also durch seinen Entwurf definiert.“ Obgleich auch diese Philosophien den Entwurf und die Überschreitung als Weg zu etwas Besserem unterstellen, wird es vorsichtiger formuliert. (mehr …)

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Menschen haben Bedürfnisse, aber welche Bedürfnisse sie haben, verändert sich im Verlauf der Geschichte:

„Unsere Bedürfnisse und Genüsse entspringen aus der Gesellschaft; wir messen sie daher an der Gesellschaft; wir messen sie nicht an den Gegenständen ihrer Befriedigung. Weil sie gesellschaftlicher Natur sind, sind sie relativer Natur.“ (MEW 6: 412)

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Weltgeschichte getrieben vom Streben nach Bedürfnisbefriedigung?

Wird die Weltgeschichte überhaupt vom Streben nach Bedürfnisbefriedigung vorangetrieben? Vielleicht ist das eine Vorstellung, die aus unseren Wünschen stammt: Wir wünschen uns eine Gesellschaft, deren Entwicklung sich aus den gemeinsam verfolgten Anstrengungen zur Erfüllung unser aller Bedürfnisse ergibt. Bisher war es wohl eher so, dass andere Faktoren die Geschichte vorangetrieben haben. Natürlich waren alle Handlungen der Menschen irgendwie bedürfnisvermittelt (weil Menschen bedürftige Wesen sind, wie Du, Simon, in Deinem Kommentar zur Bestimmung des Menschen schreibst), aber bestimm(t)en sie wirklich den Gang der Menschheitsgeschichte? (mehr …)

Dies ist ein Titel eines SF-Roman aus dem Jahr 1987, der die Welt nach dem ökologischen und sozialen Zusammenbruch in den späten 90er Jahren beschreibt. Ich habe ihn jetzt erst gefunden, als ich in utopischen und SF-Schriften nach dem Umgang mit Geld in Beschreibungen möglicher zukünftiger Welten fragte.

Ich finde es verblüffend, wie in diesem Roman, der vor 30 Jahren geschrieben wurde, auf heutige Fragen geantwortet wird. Was kann alles passieren, wenn ökologische und Wirtschaftskrisen so stark zuschlagen, dass das Leben, wie wir es kennen, nicht mehr möglich ist und auch wir, die wir die Flüchtlinge größtenteils lieber abwehren, zu Flüchtenden werden? (mehr …)

Wissenschaft in der Zeitgeistbewegung
Durch die Begegnung mit Menschen, die sich der Zeitgeistbewegung verbunden fühlen, bin ich vor einigen Wochen herausgefordert worden, mir dazu eine Meinung zu verschaffen. Bisher hatte ich gedacht, dass der Hype um die „Zeitgeist“-Filme doch inzwischen vorbei sei und die dadurch inspirierte Bewegung „Zeitgeist-Movement“ wohl auch keine längere Lebensdauer haben würde, als viele andere.

Wir hatten inzwischen auch einen sehr lebhaften Diskussionsabend in der „Zukunftswerkstatt Jena“ dazu. Ich habe mich nun noch einmal mit einer Kernfrage der Leitlinien der Zeitgeist-Bewegung beschäftigt: Ihrem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Ich referiere erst die in den Leitlinien der Zeitgeistbewegung genannten Ansichten dazu und stelle dem dort Gefundenen wichtige Argumente aus einer umfassenderen Wissenschaftstheorie gegenüber.
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