Essay


Der folgende Textteil gehört noch in das Thema „Klima-Umbruch -Transformation – Lebensführung“.  Denn um sich der Frage nach der Verzweiflung zuzuwenden, muss erst noch einmal klargemacht werden, warum Verzweiflung nicht mehr nur die Folge von Panikmache ist, sondern angesichts der erreichten und weiter zu befürchtenden Schädigungen unserer Lebensgrundlagen kaum noch zu vermeiden sein dürfte. Deshalb schiebe ich diesen Teil noch zwischen die Ausführungen zur „Transformation“ und die zur „Lebensführung“.


Diese Transformation ist keine, bei der vieles von dem bisher Erreichten beibehalten werden und die Verhältnisse grundlegend verbessert werden können. Wir können uns die bisherigen Zukunftshoffnungen z.B. mit einer sog. „Fitness-Landschaft“ vorstellen: (mehr …)

Commons und alternative Projekte im Handgemenge

Dieser Text erschien in der Zeitung Contraste,
Oktober 2019, Nr. 421, S. 12 im Schwerpunkt „Wie geht Utopie“.


Der aktuelle Sonderbericht des IPCC zum Zusammenhang zwischen Klimawandel und Landsystemen macht auf die Verwundbarkeit der Ernährungsgrundlage der Menschheit durch den Klimawandel aufmerksam. Gewusst hat mans ja schon, aber nun muss man es wissenschaftlich nachgewiesen zur Kenntnis nehmen und damit umgehen. Angesichts der sich häufenden Hiobsbotschaften bringt mich die Beschäftigung mit der Zukunft der Menschheit, d.h. mit der Variante davon, die die höchste Wahrscheinlichkeit hat, immer mehr um mein Weltvertrauen. Wir sind ein Vierteljahrhundert zu spät dran, um die Bremse einzulegen und die Richtung zu ändern, bevor es heikel wird. Es wird weiter zu ungeheuren Wetterextremen, Dürren, Überschwemmungen und Hurrikans kommen, deren Wahrscheinlichkeit und Stärke wir uns zuzuschreiben haben. Die jungen Leute haben zuerst gemerkt, dass wir Älteren die Gefahrenzeichen zu lange übersehen und die Augen davor geschlossen haben. Für solche wie mich, die schon länger trauern um die verlorenen glücklichen Zukünfte, oder jene, die bereits Panik vor dem zu Erwartendem haben, gibt es inzwischen schon eine – wohl nicht ganz ernst gemeinte – Diagnose: „Prä-Traumatisches Belastungssyndrom“. Ich bin also nicht allein mit meinen Ängsten. Dies zu wissen, hilft mir schon ungemein.[1] Wenn wir heute noch Utopien haben, müssen sie sich einem gewaltigen Crash-Test[2] unterziehen! Manchmal erfolgt dieser Crash-Test von alleine, etwa wenn Projekte des Mietshäuser Syndikats von rechten Anschlägen bedroht sind.[3]

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Hier kommt eine Ergänzung meines Textes zum Thema „Klima-Umbruch – Transformation – Lebensführung“. Im Text habe ich bereits auf das  Konzept von Joanna Macy für eine Gruppenarbeit zum Thema „Trauer und Verzweiflung“ verwiesen. Jetzt möchte ich noch etwas Methodisches ergänzen für jene Situation, in der das für die Zukunft Bedrohliche schon irgendwie gewusst wird, aber noch nicht gedacht wird. Das „irgendwie“ gewusst erweist sich als „unbewusst“  – es geht um das sog. „Soziale Träumen“. Neben dem Fühlen kann demnach auch das Träumen eine „erkenntnisleitende Funktion“ (Holzkamp 1983/1985: 333) haben. Es kann über das „Nicht-Wahrhaben-Wollen“ der 1. im Text genannten Phase hinausgehen: 


Häufig ist die Erkenntnis über die Lage schon eher im sog. Un(ter)bewussten angekommen, als im Bewusstsein. Dies kann z.B. durch die Untersuchung beängstigender Träume herausgefunden werden. Mit der Methode des „Sozialen Träumens“ können „Gespräche in den Köpfen“ entdeckt werden, in denen sich Ängste artikulieren. In Träumen werden „Beziehungen mit Objekten der Umwelt“ erprobt und antizipiert (Lawrence 2014: 7). Dadurch können wir einen  Zugang zu den „unbewussten Befürchtungen und Ängsten gegenüber der Gesellschaft […], in der wir leben“ (Lawrence 1998: 80) erreichen. Träume sind dann Schlüssel zu allem, was zwar „gewußt, aber noch nicht gedacht“ ist (ebd.: 173). ). Insofern können neben den Gefühlen auch Träume eine „erkenntnisleitende Funktion“ (Holzkamp 1983/1985: 333) haben (vgl. auch Tögel 1985: 23ff.). Lawrence entwickelte Gruppengespräche mit 30-60 Menschen, bei denen die unbewussten Prozesse „unbewusstes Wissen“ über die sie umgebende Gesellschaft offenbarten.[1] Auch bei der Antizipation von Bedrohungen weiß das Unbewusste oft schon mehr als das Bewusstsein. Charlotte Beradt berichtet von den Träumen des emigrierten Paul Tillich, der berichtete: „Ich bin aufgewacht mit dem Gefühl, daß unser ganzes Dasein verändert werde. Im bewußten Wachen glaubte ich, daß wir dem Schlimmsten entgehen könnten, aber mein Unterbewußtest wußte es besser.““ (Beradt 1966/2017: 9, kursiv AS)

[1] Veranstaltungen zum Erzählen und Interpretieren von Träumen fanden sogar in der Tent City University der Occupy-Aktionen 2011 in London statt (Sher 2013). Dort gab es vor allem Erzählungen mit Träumen einerseits über Reisen und andererseits über Verluste.

Literatur hierzu:

Beradt, Charlotte (1966/2018): Das Dritte Reich des Traums. Suhrkamp.

Gosling, Jonathan; Case, Peter (2013): Social dreaming and ecocentric ethics: sources of non-rational insight in the face of climate change catastrophe. September 2013, Organization 20(5):705-721.

Holzkamp, Klaus (1983/1985): Grundlegung der Psychologie. Frankfurt/Main, New York 1985.

Lawrence, W. Gordon (1998): Social Dreaming @ Work. New York: Routledge.

Lawrence, W. Gordon (2014): Soziales Träumen. Freie Assoziation. Zeitschrift für das Unbe-wusste in Organisation und Kultur. 17. Jg. (2014) Heft 1/2 S. 7-26.

Sher, Manni (2013): A Tale of One City: Social Dreaming and the Social Protest Movement – Occupy London at Tent City. Socioanalysis 15: 2013 (60-70).

Tögel, Christfried (1985): Der Traum in Geschichte und Gegenwart. In: H. Wendt (Hg.): Traum bearbeitung in der Psychotherapie. Leipzig: Thiema, S. 11-28.

Vieles ändert sich in der Gesellschaft, bisher Unvorstellbares wird gefordert und meist auch eingehalten. Sachlich sind z.B die Abstandsregeln sicher sinnvoll. Gleichzeitig ist es auch vernünftig, die derzeitigen jetztigen staatlichen Regelungen nicht nur auf ihre sachliche Angemessenheit hin zu hinterfragen.  Denn sie beinhalten Richtungswechsel im Diskurs, in der Funktionsweise der bürgerlichen Demokratie und mit den finanziellen Hilfen werden auch entscheidende wirtschaftspolitische Weichen gestellt. Die Frage ist, wie diese gesellschaftlichen Veränderungen einzuschätzen sind. Damit verbunden ist die Befürchtung, dass gerade einschränkende und kontrollierende Maßnahmen auch nach der Pandemie weiter aufrecht erhalten werden oder dass demnächst bei weniger gravierenden Problemen schneller auf sie zurück gegriffen wird.

Ich sammle hier mal einige der Punkte,  bei denen sich über die Pandemie hinausgehende Änderungen ergeben:

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Ein Gesprächswochende über den Themenkomplex „Klimawandel – Lebensführung – Transformation“ wird, wie so viele andere, in die Online-Welt ausgelagert. Das bedeutet auch, inhaltliche Beiträge vorher vorzubereiten und vorzustellen. Hier ist meiner:


Diese Datei gibts auch als PDF-Datei zum Downloaden.

1. Zwischen-Ergänzung zu: „Wissen, Fühlen und … Träumen“

2. Ergänzung zu einem „Crashtest für Transformationskonzepte“


Die meisten Texte zum Klimathema verwenden jetzt nicht mehr die harmlose Bezeichnung „Klimawandel“, sondern „Klimakrise“. Und statt „Erderwärmung“ wird „Erdüberhitzung“ gewählt. Das letztere ist übertrieben, das erste immer noch beschönigend. Denn die Erde als Planet kann sich nicht wirklich überhitzen; als astronomischer Körper kann es ihr egal sein, ob sie genau so heiß ist wie die Venus. Nur wir und mit uns die derzeitige Biosphäre brauchen ökologische Bedingungen, deren Veränderungen ein gewisses Maß nicht überschreiten sollten. Wenn sie überschritten sind, haben wir nicht nur eine „Krise“, die in nächster Zeit wieder gelöst werden könnte, sondern wir leben dann quasi „auf einem anderen Planeten“ (vgl. die Berichte in Schlemm 2019). (mehr …)

Dies ist die erweiterte Form meines Beitrags aus den Marxistischen Blättern 05_209:


Langform der Veröffentlichung in Marxistische Blätter 05_209:

Dialektik als Logik welcher Entwicklung?

Richard Sorg hat in der Nummer 4_2018 der „Marxistischen Blätter“ die Frage gestellt, ob es einen „Unterschied zwischen einer ‚idealistischen’ (Hegel) und einer ‚materialistischen’ Dialektik (Marx und Engels)“ gibt. Seine Ausführungen zeigen, dass der Unterschied nicht so groß ist, wie er häufig angenommen wurde und wird. Er verweist auf den „impliziten Materialismus“[1] (Sorg 2018: 107) bei Hegel. Trotzdem gibt es natürlich Unterschiede in der Art und Weise, wie Hegel in verschiedenen Themenkomplexen vorging und wie Marx und Engels daran herangingen. Richard Sorg skizzierte das unterschiedliche Vorgehen. Ich möchte diese Themenstellung noch ein wenig weiter führen, indem ich problematisiere, dass die Dialektik als Entwicklung sich insbesondere bei Hegel i.a. nicht auf zeitliche Veränderungen bezieht, sondern ) logisch-strukturell (bzw. logisch-systematisch) auf den „Gesamtzusammenhang“ (MEW 20, DN: 307 bezogen ist und sich von einer logisch-zeitlich (bzw. logisch-historisch) verstandenen Dialektik unterscheidet[2]. Diese Unterscheidung darf nicht verloren gehen, weil sonst viele Stellen bei Hegel und Marx falsch verstanden werden und das eigene dialektische Denken fehlgeleitet werden könnte. (mehr …)

In jedem spiegelt sich alles. Auch in der sog. Corona-Pandemie, ausgelöst durch den Virus Sars-CoV-2, spiegeln sich nicht nur fachliche und sachliche Debatten, sondern auch politische. Politik verstehe ich hier als „das, was verhandelbar ist“, also nicht die durch das Verhalten des Virus selbst ausgelösten Dynamiken, sondern das, wie Menschen darauf reagieren.

In den inzwischen sicher bekannten Simulationen aus der Washington Post verhalten sich die Viren, wie sie sich halt verhalten: ansteckend. Man kann nun mit Simulationen verschiedene gesellschaftliche Umgangsformen damit modellieren: Entweder man schottet die Kranken von den Gesunden möglichst gut ab, was nie ganz gelingt, wie die kleine Öffnung in dem folgenden Standbild aus der Simulation zeigt:

Oder man versucht, dass sich alle Menschen so weit wie möglich physisch auseinander halten (auch „soziale Distanzierung“ genannt). In den Simulationen ist das Sterben von Erkrankten nicht vorgesehen. Die Unterschiede in den Ergebnissen (der Simulation) sieht man deutlich: (nach Washington Post): (mehr …)

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