Berichte


Als ich die Texte über Flucht und Migration und den „Untergang der Menschheit“ geschrieben habe, habe ich der Versuchung widerstanden, die Probleme kleinzureden, weil ich selber Angst davor haben muss, obwohl ich sie im Alltagsleben eigentlich noch nicht spüre. Ich bin aber zu DDR-Zeiten noch so erzogen worden, dass mich das Leid der Fremden nicht kalt lässt und gleichzeitig neige ich dazu, gleich in größeren Zusammenhängen denken, als nur das zu sehen, was unmittelbar vor den Augen liegt.

Aber ich verstehe schon: Viele, die jetzt die Flüchtlinge abwehren, wehren vielleicht nur ihre eigene Angst ab, die sie befällt, weil sie wissen, dass die allermeisten Menschen dieser Welt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in gefährliche Entwicklungen hineingeraten werden und die ersten, denen das passiert ist, die für uns die Boten des Unglücks sind, will man am Liebsten auch außerhalb der Sichtweite haben.

Deshalb hab ich mich durch die traurigen Nachrichten und Informationen gewühlt, habe „im Dreck gebadet“, statt ihn zu meiden. Aber es ist ja nicht nur Harald Welzer, der sein deprimierendes Buch über „Klimakriege“und deren Ausweitung in der Zukunft „in der Hoffnung, dass man Unrecht hat“, geschrieben hat.

Hoffnung
Ich habe in den letzten Tagen meine Literatur über alternative gesellschaftliche Entwicklungen durchforstet danach, ob es darin Anzeichen dafür gibt, dass auch fortschrittliche, das heißt humane und ökologieverträgliche Entwicklungstrends aus den derzeitigen Desastern heraus entwickelt werden können. Die Fallbeispiele in Elinor Ostroms berühmten Buch „Die Verfassung der Allmende“ zeigen z.B., dass es vor allem in Regionen mit knappen und gefährdeten Ressourcen vorteilhaft war und ist, sie als Allmenden, d.h. Commons zu bewirtschaften statt als Privateigentum oder staatlich-öffentliches Gut. Aber ob sich solche Strukturen ausgerechnet aus kriegerisch-aggressiven Situationen heraus überhaupt entwickeln lassen, bleibt offen. (mehr…)

Gestern hab ich mich mal wieder nicht hinter Büchern verdrückt, sondern stand mit bei einer Gegenveranstaltung zu einem Fackelzug der Leute, die meinen, der 20.4. sei ein geeignetes Datum für einen Fackelmarsch. Thügida veranstaltete diesen offen ausländerfeindliche, rassistische Zug und mehr als zehnmal mehr Teilnehmer auf den Gegenveranstaltungen zeigten, dass diese Positionen nicht unwidersprochen bleiben. Auch ich bleibe dabei: Faschismus ist keine (irgendwie zu tolerierende) Meinung, sondern ein Verbrechen.

Jena bunt

Während ich unter den tausenden Teilnehmenden der Gegenveranstaltungen war, die durch die Tumulte weder gefährdet noch betroffen waren, möchte ich hier einen genaueren Bericht dazu verlinken: Unvollständige Nachbetrachtng der JG Stadtmitte

Fotos gibts hier und hier.

Und wer immer noch einen Funken Verständnis für Hetze gegen Ausländer hat, sollte sich hier die Warnhinweise zu Gemüte führen…

Sascha Reh hat einen Roman über ein zeitgeschichtliches Paradoxon geschrieben, das weitgehend unbekannt ist. Das Paradoxon besteht darin, dass in einer Zeit, in der nur wenige Großrechner existierten und in Chile fast gar keine, unter der Regierung Allende ernsthaft versucht wurde, die staatlichen Produktionsbetriebe zu vernetzen und durch eine Echtzeitkommunikation die Produktion flexibel zu planen.

IBM 360
IBM 360 (Quelle: Wikipedia)

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Klimafluechtlinge_klein(Bildquelle: Gerhard Mester) „Globale Probleme der Menschheit“, so wurde schon vor einem Vierteljahrhundert der Komplex von drohenden Gefahren für die gesamte Menschheit genannt. Die Kriegsgefahr, vor allem angesichts der globalen Verbreitung von Atomwaffen, war das „Globale Problem Nummer Eins“. Gleich danach kam dann die allgegenwärtige Umweltvergiftung in West wie Ost, erkennbar am Baumsterben und vergifteten Flüssen. Auch die Endlichkeit von Ressourcen ließ eine „Grenze des Wachstums“ erahnen.

Seit ungefähr dieser Zeit erreichte auch der real existierende Kapitalismus eine neue Entwicklungsstufe: Der Neoliberalismus fegte seitdem in aller Welt Sozialsysteme und nichtkapitalistische Lebensformen hinweg. Alle vorher geschützten öffentlichen Lebensbereiche wie Gesundheitswesen und Bildung werden weitgehend kommerzialisiert, aber der Profit reicht nicht aus, die Kapitalakkumulationserwartungen aus der vergangenen und gegenwärtigen Ausbeutung heraus zu erfüllen. Stattdessen werden ungedeckte Anleihen aus einer erwarteten zukünftigen Ausbeutung zur Grundlage der Wirtschaft.

Verlorene Jahrzehnte für 99 % der Menschen, denen andere Lebensgrundlagen entrissen wurden und die von nicht ausreichend vorhandener Lohnarbeit abhängen. Stagnation der Gehälter und Prekarisierung für die immer härter Arbeitenden und Verelendung für die anschwellende Arbeitsreservearmee. Dem steht ein unermeßlicher Reichtum auf der anderen Seite gegenüber, begleitet vom weiteren Aushebeln der bisherigen bürgerlich-demokratischen Ausgleichsmechanismen. Verlorene Jahrzehnte auch für die meisten „unterentwickelten“ Regionen dieser Erde beim „Nachholen“ der Entwicklung.

Hier gehts weiter (pdf-Datei).

afd
Da wirft mir doch glatt ein Blog-Kommentator vor, ich säße im Elfenbeinturm. Dabei hab ich mir nun schon bei vielen politischen Aktionen viele Stunden lang den Hintern abgefroren, hab mir ein Handgelenk beim Wegtragen von einer Blockade durch einen Polizeigriff versauen lassen, die Füße platt gestanden und gelaufen und den Mund fusslig geredet.

Auch gestern wieder. In Jena wollte die AfD die Scharte vom 20.1. auswetzen und beweisen, dass mit ihr zu rechnen ist. Die Gegenaktionen sollten diesmal in Schach gehalten werden. Das zeigte das Polizeiaufgebot, das die Innenstadt seit dem Nachmittag absolut dicht machte. Wie gut funktioniert so etwas?

Wutbürger 1
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Keine-Alternative-fuer-Deutschland
Die USA hat ihren Donald Trump, Deutschland hat die AfD. Die Demokratie macht sich endgültig zum Affen. Beide erscheinen so dämlich, dass unter normalen Umständen beide nur Lachnummern im Kabaratt wären. Aber die Leute wollen es so… Viele Amis wählen Trump und in Deutschland stürmt die AfD in die Parlamente.

Die Leute wollen es so. Manchmal überkommt mich der Gedanke: Dann sollen sie es doch kriegen! Aber dann erinnere ich mich an 1945 und das Erbe dessen, was viele, zu viele Deutsche auch mal wollten. Das wünsche ich weder den Amis, noch den Hessen und denen, die dämnächst AfD wählen werden.
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der letzte Kapitalist
Kann sich heute noch jemand vorstellen, in einer Welt der Sklaverei zu leben? Wenn heute eine/r auf die Idee käme, wieder in einer Sklavenhaltergesellschaft leben zu wollen, würde das ziemlich befremdend sein.

Kann es sein, dass das Leben im Kapitalismus einst genau so unvorstellbar wird? In einer Welt, in der das jetzige System als Vergangenheit fast vergessen ist, die Menschen in selbst gestalteten neuen Verhältnissen leben, die manchmal z.B. “Atopie” genannt werden, erregt die Nachricht, es gäbe wieder einen Kapitalisten, Aufsehen. So großes Aufsehen, dass sich Anne, die Ich-Erzählerin eines Romans von Steve Cullen, auf den Weg macht, um den Gerüchten über ihn zu folgen. Ihr Weg führt sie durch verschiedene Regionen, sie lernt Menschen kennen, und verschiedene Lebensweisen der für sie selbstverständlichen neuen Welt. Wen sie am Ende trifft, kann jede/r selbst nachlesen, sogar auf deutsch, weil Menschen der Gruppe Schwarzer Schmetterling das Buch übersetzt und im Internet zur Verfügung gestellt haben.

Viel Spaß damit…

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