Friedrich Engels:

„Und so werden wir bei jedem Schritt daran erinnert, daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand, der außer der Natur steht – sondern daß wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehn, und daß unsre ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug vor allen andern Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und richtig anwenden zu können.“ (MEW 20: 453)

Wir haben als Menschheit bereits vier der neun sogenannten „Planetaren Belastungsgrenzen“ überschritten. Die Folgen, vor allem abrupte klimatische Veränderungen, lassen sich nicht mehr verleugnen. Für die Gesellschaftsordnung, die die Welt prägt, ist das bisher aber noch keine Störung ihres „Business as usual“. Solch eine Störung kam mit einer anderen Rückwirkung der Natur auf unser Tun, mit der Viruspandemie Covid-19. Andreas Malm schildert in seinem Buch Klima|x ausdrücklich, wie das Vordringen der Menschen in die Natur und auch die Klimaveränderungen fast unausweichlich zu einem weiteren Wachstum von Pandemiegefahren führen. Wir werden wohl weiterhin ständig mit neuen Pandemien leben müssen und die scheinbar so unaufhaltbare kapitalistische Wirtschaftslogik läuft sich vielleicht unter anderen an damit weiteren mit dem Klimawandel verbundenen sozialen Folgen fest.

1. Sicht: Mensch vs. Natur

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Version 1.1, 29.05.2021

Was sind die Ausgangspunkte unseres Handelns? Sicher die Befriedigung von Bedürfnissen. Bedürfnisse sollen auch im Mittelpunkt einer befreiten Gesellschaft stehen – diese soll sich nur noch um die Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen drehen, wozu auch eine intakte Um- und Mitwelt besteht und ein Klima, in dem das Leben nicht unerträglich wird. Zu „Bedürfnissen“ habe ich schon einmal einiges hier im Blog (Schlemm 2017a) geschrieben. Aber wie verhält es sich nun mit dem „Interesse“?

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Ich habe mich bisher immer gedrückt um eine klare Einschätzung jener polit-ökonomischen Systeme über 70 Jahre hinweg, die sich am Ende meistens als „real existierender Sozialismus“ bezeichneten (bei mir hier benannt als „Realsozialismus“).

In einer politisch-theoretischen Debatte, die mit der Weiterführung des von mir schon kritisierten Buchs „Kapitalismus aufheben“ von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz (2018) verbunden ist, fühle ich mich nun herausgefordert, meine Position schon vor einer eventuellen Kritik dieser Weiterführung vorzustellen, um eine Debatte dazu zu ermöglichen.

Um sich abzusichern, muss man vielleicht heutzutage überhaupt erst mal eine Distanzierungsklausel formulieren: Nein, ich will die DDR, so wie sie war, nicht zurück! ABER: Sie war auch nicht dasselbe wie der Kapitalismus. Ich hätte es nie gedacht, aber auch das wird heutzutage behauptet. Und dagegen richtet sich der folgende Text:


Zum Kapitalismus

Version 1.0, 28.05.2021

Der Ausgangspunkt der von mir kritisierten Kapitalismuskritik ist die sog. „Wertkritik“ nach Robert Kurz, später von den Zeitschriften „Krisis“ und später „Exit“ vertreten. Diese wurde genau in den „Wende-“ -Jahren breit rezipiert und galt als Erneuerung des Marxismus, als Rettung des  „wahren“ Marxismus aus einer Dogmatik, wie sie in den realsozialistischen Ländern entwickelt worden sei. Man konnte nun weiter MarxistIn sein, ohne die Dogmatik mittragen zu müssen, wie befreiend!

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„Nichts ist gefährlicher, als das jeweilige Ideal in ein abstraktes Normativ zu verwandeln,
in eine wie auch immer gefärbte Brille, durch welche die Wirklichkeit nur noch als
mehr oder minder gelungene Verkörperung des Ideals zu sehen ist.“ (Brie 1990: 8)

In manchen Debatten wird angenommen, dass wir in einer nachkapitalistischen, besseren Gesellschaft nicht mehr „arbeiten“ müssen. Klar müssen noch genug Sachen hergestellt werden, damit wir leben zu können, aber dieses Tun soll nicht mehr „Arbeit“ genannt werden, sondern zum Beispiel „Tätigkeit“. Das Wort „Arbeit“ wird dann nur auf seine Bedeutung aus dem Mittelhochdeutschen als „arabeit“ in der Bedeutung von Mühsal und Not reduziert. Es gibt in diesem Sinn auch eine Verwandtschaft mit dem Wort „rabota“, was von- „rabu“ (= Knecht, Leibeigener) hergeleitet ist. Inhalte von Worten und Begriffen haben sich historisch häufig gewandelt. Im Englischen gibt es wenigstens noch die Unterscheidung von work und labour.

Vor allem die bisherigen Unterdrückungsgesellschaften füllten die Worte mit Inhalten, die deren Praxen entsprachen. Müssen wir deshalb die ganze Sprache neu erfinden? Oder sollten wir ausweichen auf anscheinend „unverbrauchte“, „unverschmutzte“ Worte, wie von „Arbeit“ zu „Tätigkeit“ oder von „Eigentum“ zu „Verfügung“? Ich bin in solchen Fällen immer dafür, den Begriffsumfang in aller Geschichte genau zu erkunden und dann zu versuchen, auf den allgemeinsten hier vorkommenden Begriff zurück zu kommen, um dann Unterschiede als Besonderungen zu bestimmen. Der Begriff von „Arbeit“ hat eine besondere Bedeutung, gilt er doch im marxschen Kontext als wichtige Unterscheidung für das Menschliche gegenüber allem, was Tiere tun können.

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Hier dokumentiere ich für eine gerade laufende Debatte einen Teil eines umfassenderen Textes zu einem anderen Thema aus dem Jahr 2007:


Peter Ruben und Camilla Warnke veröffentlichten 1979 einen Text, der sich gegen eine ihrer Ansicht nach einseitige Bestimmung der menschlichen Arbeit richtet. Georg Lukács hatte als Bestimmung der menschlichen Arbeit vor allem ihre Zielgerichtetheit betont. Für ihn beruhte die Arbeit auf einer „fortlaufenden Verwirklichung teleologischer Setzungen“ (zit. in Ruben, Warnke 1979: 21).
Dem stellten Ruben und Warnke eine umfassende eigene Bestimmung der Arbeit entgegen, bei der das umfassende Wissen Camilla Warnkes über die philosophische (Hegelsche) Dialektik und Peter Rubens über die analytische Verdinglichung als einer reduzierenden Denkmethode zur vollen Wirkung kommt. Auch die menschliche Arbeit kann unter diesen beiden Sichtweisen betrachtet werden, der dialektischen und der analytischen.

Eine dialektische Sicht auf die Arbeit muss die konkrete Einheit ihrer Momente erfassen. Dabei sind die Momente zwar kategorial unterschieden, aber in ihrer Existenz untrennbar miteinander verknüpft. Dies gilt, wenn wir die unmittelbare, aktuelle Existenz eines Arbeitsvorganges betrachten. Dabei eignet sich ein Arbeitssubjekt das Arbeitsobjekt an und bildet es um. Das Subjekt ist als solches nur bestimmt in der konkreten Einheit mit dem Objekt – das Objekt in der Einheit mit dem Subjekt.


Eine Trennung dieser Momente ist durch die gedankliche Analyse möglich, das „Subjekt“ arbeitet dann aber nicht mehr, sondern wird zu einem abstrakten, verdinglichten Arbeitsvermögen und das „Objekt“ steht diesem Vermögen äußerlich, z. B. als Naturgegenstand, gegenüber.


Ein wirkliches Subjekt und ein wirkliches Objekt gibt es nur in der dialektischen Relation in der wirklichen, konkreten Beziehung. In einer analytischen Sichtweise werden (potentielle) „Subjekte“ und (potentielle) „Objekte“ zu vergleichbaren Gegenständen in einer nicht mehr dialektischen, sondern in einer binären Relation. Beide werden als in ihrer Existenz voneinander unabhängige Dinge unterstellt und zwischen ihnen werden analytische Vergleiche möglich (so können zwischen aufgewandtem subjektiven Arbeitsvermögen – Aufwand – und dem konsumierbaren vergegenständlichten Arbeitsvermögen – Nutzen – ökonomische Vergleiche stattfinden).

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Manchmal muss man einen Schritt zurück treten, um eine Orientierung für den Schritt nach vorn zu gewinnen. Den Kapitalismus und mit ihm jegliche Klassengesellschaft zu überwinden und eine Gesellschaft aufzubauen, in der Ausbeutung, Unterdrückung, Diskriminierung und andere Entwürdigungen nicht mehr vorkommen, ist nach den vielen Jahrtausenden voller Kriegen, Plünderungen und Demütigungen eine ungeheure Herausforderung. In der bleiernen Zeit der frühen 70er Jahre durchforstete der Schriftsteller Wladimir Tendrjakow die Leninschen Schriften auf der Suche nach der Quelle der verfahrenen Situation im Sozialismus der UdSSR.

„Zwei sind im Zimmer:
ich
und Lenin – “ (Majakowski in Tendrjakow 1969ff./1991: 11)

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Dieser Text gehört zum Projekt „Anregungen von Maurice Godelier“


Die materielle Reproduktion der Gesellschaftsmitglieder und der Gesellschaft ist der für die Gesellschaft wesentliche Prozess; sie ist aber nicht zu reduzieren auf materielle Wechselwirkungen. Georg Lukács verwies 1919 auf den „methodischen Irrtum des vulgären Materialismus“, der darin bestünde, „daß nämlich die wirtschaftlichen Formationen ewig erstrangig blieben gegenüber den ideologischen Gebilden“ (Lukács 1919/1975: 119).[1]

Menschliche Praxis ist mindestens immer über Ideelles vermittelt, darüber, dass Menschen eine „›gnostische‹ Welt- und Selbstbeziehung“ (Holzkamp 1983: 234) haben. Dies gilt auch für die unmittelbare Produktion. Es ist nicht so, als wäre diese unabhängig von ideellen Vorstellungen „rein-materiell“, sondern auch sie ist durchdrungen von Ideellem. Denn es gilt, „… daß kein materieller Eingriff des Menschen in die Natur, das heißt kein intentionaler, von ihm gewollter Eingriff, erfolgen kann, ohne von Anfang an im Bereich des Intentionalen „Ideelles“ hervorzurufen, Vorstellungen, Urteile, Prinzipien des Denkens, die keinesfalls nur materielle Verhältnisse im Denken widerspiegeln, weil sie unabhängig von ihm, vor ihm oder ohne es, entstanden wären“ (Godelier 1990: 22). Nach Lukács unterscheiden sich überholte Marxismusvorstellungen von angemessenen gerade dadurch, dass erstere die ökonomische Wirklichkeit als „Sein ohne Bewußtsein“ auffassen, während in Marxens Ontologie nach Lukács „jedes gesellschaftliche Sein mit Bewußtseinsakten (mit alternativen Setzungen) untrennbar verbunden ist“ (Lukács 1984: 675).

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Dieser Text gehört zum Projekt „Anregungen von Maurice Godelier“


Auch im Kapitalismus sind es wieder die Eigentumsverhältnisse, die die Produktions- und damit die gesellschaftlichen Verhältnisse als Ganzes wesentlich bestimmen. Man kann kaum sagen, dass je ein bestimmtes Eigentumsverhältnis für je eine Gesellschaftsformation dominant ist. In jeder Gesellschaftsformation wirken verschiedene Eigentumsverhältnisse zusammen. Das persönliche bzw. haushaltbezogene Eigentum an Werkzeugen, Waffen sowie Vieh und die gemeinschaftliche Verfügung über das Territorium verweisen aufeinander. Dass diese Kombination so häufig auftritt, hat wohl den Grund darin, dass Vieh leicht ausgetauscht werden kann, Boden dagegen nicht (vgl. Godelier 1990: 122). Gemeinschaftlich genutzte Allmenderessourcen stützen häufig feudale Ausbeutungsverhältnisse. Die Selbstverwaltung der Dorfgemeinschaften enthebt die Feudalherren der direkten Einflussnahme und ermöglicht trotzdem oder auch gerade dadurch die Erhebung von Abgaben. Gemeinschaft geht mit „Flurzwang“ zusammen. Die sog. „asiatische“ und die feudale Gesellschaftsformation unterscheiden sich nach Godelier übrigens dadurch, dass in Asien der Staat oberster Eigentümer des Bodens blieb und Grundrente und Steuer zusammenfallen, während im Feudalismus Grundrente (an den  Grundherrn) und Steuer (an den Staat) unterschieden sind (Godelier 1990: 126). Die Trennung des Eigentums an Produktionsmitteln und Arbeitskräften im Kapitalismus ermöglicht vorher unglaubliche Kooperationseffekte im konkreten Arbeitsprozess, deren Triebkraft sich von den unmittelbaren Bedürfnissen der Menschen abkoppelt. Gleichzeitig entstehen klassenspezifische Interessen, die jeweils mit ihrem spezifischen Eigentumspositionen im Zusammenhang stehen. Die gesellschaftlichen Strukturen, wie die Eigentumsverhältnisse wirken nicht nur als „Nahelegungen“ auf das individuelle Verhalten, sondern dieses ist in bestimmter Weise interessiert und auf diese Weise auch verständlich. (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Anregungen von Maurice Godelier“


Karl Polanyi[1] untersuchte, wie bestimmte Märkte dazu führen, dass die Gesellschaft nur noch als „Anhängsel des Marktes“ (Polanyi 1944/1978: 88) zu verstehen ist:

„Die Wirtschaft ist nicht mehr in die sozialen Beziehungen eingebettet, sondern die sozialen Beziehungen sind in das Wirtschaftssystem eingebettet.“ (ebd.: 88-89)

Er unterscheidet dabei zwischen „einzelnen Märkten“, die in andere Gesellschaftsfunktionen eingebettet sein können und einer „Marktwirtschaft“, in der die „auch die Gesellschaft selbst so gestaltet werden [muß], daß das System im Einklang mit seinen eigenen Gesetzen funktionieren kann“ (ebd.: 89). Märkte auf Fernhandels- oder auch lokaler Basis begleiten die Menschheit fast überall und immer – nur auf europäischem Gebiet wurde „durch das Eingreifen des Staates“ (ebd.: 96) eine neue Form von Märkten geschaffen. Zuerst durch nationalstaatliche Maßnahmen zur Aufhebung der traditionellen Schranken, danach durch die Ermöglichung[2] „eines einzigen großen, selbstregulierenden Marktes“ (ebd.: 101). Die daraus entstehende „Marktwirtschaft ist ein ökonomisches System, das ausschließlich von Märkten kontrolliert, geregelt und gesteuert wird; die Ordnung der Warenproduktion und -distribution wird diesem selbstregulierenden Mechanismus überlassen“ (ebd.: 102).[23] Das erfordert, „daß die gesamte Produktion auf dem Markt zum Verkauf steht und daß alle Einkommen aus diesen Verkäufen entstehen“ (ebd.: 103). Auch Arbeit, Boden und Geld werden nun zu Waren. Da diese Produktionsfaktoren aber nicht direkt für den Verkauf hergestellt wurden, nennt Polanyi sie „fiktive Waren“ (ebd.: 107f.). Verbunden mit dem Gebrauch dieser Faktoren als Waren ist die Tendenz ihrer Zerstörung, deshalb müssen sie geschützt werden (ebd.: 109), was jeweils durch unterschiedliche Kräfte und Institutionen in der Gesellschaft reguliert wird. Auf diese Weise sind die anderen, vor allem die politischen Kräfte in der Gesellschaft auch wesentlich für die Gesellschaft, dominant wird jedoch die Eigenlogik des Wirtschaftlichen.[4] Ab jetzt musste sich „die Organisierung der Arbeit den Entwicklungen des Marktsystems anpassen“ (ebd.: 111) und damit „war die menschliche Gesellschaft zu einem Beiwerk des Wirtschaftssystems herabgesunken“ (ebd.). (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Anregungen von Maurice Godelier“

Version 2.0; 05.01.2021


Begriffe sollten spezifisch genug sein, um sie gegen Begriffe mit umfassenderer Bedeutung abzugrenzen, aber ausreichend weitgefasst sein, um gleiche inhaltliche Bedeutungen über angemessen große Geltungsbereiche hinweg damit erfassen zu können. Der traditionelle bürgerliche Begriff für „Eigentum“ basiert auf der im römischen Recht gebildeten Unterscheidung von „Besitz“ und „Eigentum“. „Besitz“ kennzeichnet dann die tatsächliche Verfügung über eine Sache (z.B. verfügen die MieterInnen über die von ihnen gemietete Wohnung), während „Eigentum“ eine rechtlich bindende Zuordnung der Sache zu einer Person ist (die Wohnung kann Eigentum einer anderen Person sein, an die deswegen eine Miete zu zahlen ist). In der „Einleitung zu den „Grundrissen“ (MEW 42 EL:36) verwendet auch Marx eine Unterscheidung von „Besitz“ und „Eigentum“, aber nicht ausdrücklich in der eben genannten bürgerlichen Form. An anderen Stellen verwendet er die Bezeichnung „Eigentum“ ausdrücklich auch für vorjuristische politökonomische Sachverhalte, so wenn er schreibt: „Eigentum meint also ursprünglich […] Verhalten des arbeitenden […] Subjekts […] zu den Bedingungen seiner Produktion oder Reproduktion als den seinen“ (MEW 42 Gr: 403). Die mit der Arbeitsteilung zusammenhängenden Formen des Eigentums bestimmen Marx und Engels als „Verhältnisse der Individuen zueinander in Beziehung auf das Material, Instrument und Produkt der Arbeit“ (MEW 3: 22). Das heißt: „Im Mittelpunkt jeder Bestimmung des Eigentums muß das Verhältnis von Subjekten zueinander in der gesellschaftlichen Produktion ihres materiellen Lebens stehen.“ (Brie 1990: 29) 

Die Eigentumsverhältnisse beziehen sich nicht nur auf den Gebrauch, also die Verfügung bzw. den Besitz, sondern es geht vor allem um die Aneignung. Marx identifiziert in etwas verkürzter Weise für den Kapitalismus sogar „das kapitalistische Privateigentum“ mit der „kapitalistischen Aneignungsweise“ (MEW 23:791). Für Michael Brie ist das Eigentum kein Ding, sondern „die reale Aneignung der wesentlichen gesellschaftlich erzeugten Reproduktions- und Entwicklungsmöglichkeiten durch den Eigentümer im unmittelbaren Produktionsprozeß sowie in Verteilung, Austausch und Konsumtion.“ (Brie 1990: 40) Daher ergibt sich auch die überhistorische Verwendung des Begriffs „Eigentum“, denn dass „von keiner Produktion, also auch von keiner Gesellschaft die Rede sein kann, wo keine Form des Eigentums existiert, ist eine Binsenweisheit. Eine Aneignung, die sich nichts zu eigen macht, ist ein Widerspruch in sich.“ (MEW 42 EL: 23). Auch im Kommunismus gibt es noch Eigentum – “Nur der gesellschaftliche Charakter des Eigentums verwandelt sich. Es verliert seinen Klassencharakter“ (MEW 4 Man: 476). (mehr …)