Auch die kapitalistisch orientierten Wirtschaftswissenschaften müssen sich wohl oder übel mit dem Klimawandel als „ultimative[r] Herausforderung für die Wirtschaft“ beschäftigen. Der Nobelpreisträger William D. Nordhaus verwendete diese Formulierung in seinem Preisvortrag von 2018, von dem ich im Folgenden berichten möchte.

Mögliche Regulierung der Nutzung „öffentlicher Güter“?

Nordhaus sieht das Problem des Klimawandels darin, dass das Klima ein öffentliches Gut ist und damit eine Externalität in Bezug auf die Wirtschaft. Das heißt, dass seine Kosten „außerhalb des Marktes anfallen“ und sie „nicht durch Marktpreise erfasst“ werden. Die „Klimawandelökonomie“ will sich diesem Problem widmen. Dabei zeigt es sich, dass aus dieser ökonomischen Perspektive heraus solche „harten“ Ziele wie unter einer global durchschnittlichen Temperaturerhöhung von 1,5 oder 2 Grad zu bleiben, nicht zielführend seien, weil sie die Kosten der dazu nötigen Maßnahmen außer Acht lassen. Eine Alternative dazu zeigt Nordhaus am Ende des Beitrags auf.

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Annette vom Klimanotstands-Zentrum hielt heute einen Vortrag beim Netzwerktreffen Care Revolution. Die Präsentation gibts hier online:

Zum Thema Solidarität hab ich auch noch mal einen Artikel von mir „Commoning als strukturelle Solidarität“ hochgeladen.

Ich habe in den letzten Monaten in Jena das „Klimanotstands-Zentrum“ mitgegründet. Wir haben noch keinen festen Raum, aber wir treffen uns regelmäßig, beteiligen uns an der Klimabewegung in Jena, halten Vorträge usw.. Oft werden wir dann gefragt, warum wir uns KlimaNOTSTANDS-Zentrum nennen.

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Ich war vom 28.-30. Oktober in Leipzig beim „System Change“-Kongress des SDS, weil ich selbst als Referentin eingeladen war. Ich nehme bei solchen Gelegenheiten eigentlich immer die gesamte Zeit teil. Diesmal habe ich aber nur an der Hälfte der möglichen Workshops oder Plena teilgenommen, weil ich zwischendurch viele schöne und spannende Gespräche hatte, die wir nicht abbrechen wollten. Aber einiges Interessante habe ich doch mitgekriegt, wovon ich hier erzählen will. Also jetzt zur 4-Schwerpunkte-Matrix zur Selbstverständigung und politisch orientierten Gruppen und Bündnissen:

Leonor Canadas und Joao Camargo von der spanischen Gruppe Climaximo stellten ein Konzept vor, das auf einer „Theory of Change and Conflict Escalation“ (Theorie des Wandels und Konflikt-Eskalation) beruht. Ein Tool zur Orientierung dabei ist die 4-Schwerpunkte-Matrix. Diese kann einerseits (I) genutzt werden, um sich selbst die eigenen Schwerpunkte klarer zu machen, als auch andererseits (II) dazu, die Dynamik von politischen Aktivitäten zu verdeutlichen. Die Darstellung beruht lediglich auf dem, was ich von der Veranstaltung mitgenommen habe und Verkürzungen etc. sind mit anzulasten. Soweit ich mitbekommen habe, gibt es mit diesen und weiteren Inhalten ganze Schulungskampagnen…

I) Orientierung in Gruppen, Organisationen, Bewegungen…

Die folgende Abbildung zeigt, wie sich 4 typische Schwerpunktsetzungen entlang von zwei Dimensionen darstellen lassen:

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Es gibt noch einen Text im Nachtrag zu dem, was ich am 10.06.22 in Oldenburg vorgetragen habe, bzw. was dazu in der jungen Welt am 13.06.22 veröffentlicht worden war. Er bezieht sich stärker auf konkrete Debatten und betont die Behandlung der Konkurrenz in der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie des Kapitalismus.


Was passiert, wenn „Ausbeutung“, „Mehrwert“ und „Profit“ und damit auch das Klassenverhältnis bei der Kapitalismusanalyse gegenüber dem Begriff des „Werts“ als unwichtig angenommen werden?  An einer Stelle, die ich jetzt nicht finde[1], kommentiert Stefan Meretz zu einem Text von mir so ungefähr: „Mehrwert ist doch nur mehr Wert“, bilde also nur einen quantitativen Unterschied. Ich sehe das nicht so. An dieser Stelle (beim Mehrwert) kommt die Arbeitskraft als eine qualitativ besondere Ware ins Spiel.

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Der Horizont dessen, wohin wir aus dem Kapitalismus heraus springen könnten, kann in einer abstrakten Gegenübersetzung gegen kapitalistische Funktionsprinzipien gesehen werden (kein ökonomischer Wert, kein Geld, kein Staat…vgl. Sutterlütti, Meretz 2018), oder auch auf kürzere Sicht mehr an den derzeit gegebenen Bedingungen ansetzen, wie bei Klaus Dörre. Um der früheren Entgegensetzungen von „Revolution“ und „Reform“ auszuweichen, sprechen mittlerweile fast alle von einer notwendigen „Transformation“ auf dem Weg dahin (vgl. Brie 2015). Häufig wird für eine Verbindung des Reform- und des Revolutionsgedankens auch positiv auf die Bezeichnung „revolutionäre Realpolitik“ von Rosa Luxemburg Bezug genommen (Luxemburg 1903: 373)[1], womit sie „die politische Kleinarbeit des Alltags zum ausführenden Werkzeug der großen Idee“ (ebd.) machen wollte. So sieht das wohl auch Dörre (obwohl er Luxemburg diesbezüglich nicht zitiert). (mehr …)

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Bei der Konzeption eines Sozialismus des 21. Jahrhunderts stehen wir wiederum vor dem Problem, wie die bestimmte Formen Arbeit als „Stoffwechsel mit der Natur“, die Zeit, Arbeitskraft und Ressourcen erfordert, so zeit- und ressourceneffektiv erfolgen können, dass notwendige Arbeit erstens nicht mehr so ein großes Ausmaß annimmt und zweitens genügend Freiraum für durchaus zeitaufwendige Care-Arbeit im ausreichenden Maß gewonnen werden kann. Zu starke Hoffnungen darauf, dass angesichts der vielen derzeitigen Bullshit-Jobs und des Verzichts auf Rüstung, Marketing und Wegwerfwaren-Produktion sowieso nur noch wenig Arbeit notwendig wäre, erledigen sich angesichts der künftig erhöhten Aufwendungen für die Energiegewinnung durch sich erneuernde Energien, bei einer ökologisch nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion und den vielen notwendigen Arbeiten bei der Regeneration der Atmosphäre und Biosphäre. Also müssen wir Wege finden, in vielen Bereichen ressourcen- und zeiteffektiv zu arbeiten und dies unter Einbeziehung aller zu organisieren.

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Klaus Dörre erfüllt mit seinem „Sozialismus als Utopie“ wahrlich die Forderung von  Ernst Bloch nach der Konkretheit der Utopie, d.h. der Anknüpfung an konkrete Bedingungen. Was Sozialismus konkret sein kann, hängt ab von „der Entwicklung der kapitalistischen Formation und den Gegenbewegungen, die sie hervorbringt“ (Dörre 2021: 38). Der Zielhorizont ist durch die „Ziele nachhaltiger Entwicklung“ (SDGs) gegeben. Dabei verweist Dörre auch auf Friedrich Engels, der wie Marx die künftige erwünschte Gesellschaftsordnung nicht im Einzelnen vorplante: „[…] wir haben kein Endziel. Wir sind Evolutionisten, wir haben nicht die Absicht,  der Menschheit endgültige Gesetze zu diktieren. Vorgefasste Meinungen in Bezug auf die Organisation der zukünftigen Gesellschaft im einzelnen? Davon werden Sie bei uns keine Spur finden. Wir sind schon zufrieden, wenn wir die Produktionsmittel in die Hände der ganzen Gesellschaft gebracht haben […]“ (Engels 1893: 542).

Etwas konkreter wird Dörre allerdings schon.

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Kann der „Sozialismus“ immer noch eine Alternative zur kapitalistischen Herrschaft der Gegenwart sein? Natürlich weiß auch Klaus Dörre, dass das „S-Wort“ abschreckt (Dörre 2021: 8). Aber wenn wir eine Alternative zum Kapitalismus vorschlagen wollen, müssen wir uns sowieso mit dem für einige Jahrzehnte realen Versuch, den „Sozialismus“ als Alternative zum Kapitalismus zu verwirklichen, beschäftigen. Die Abwehr des Namens reicht dazu nicht aus. Es kommt darauf an, „die höchst widersprüchliche Geschichte des Sozialismus nicht zu verdrängen, sondern sie zu reflektieren“ (ebd.: 27). Deshalb macht es nach Dörre durchaus „Sinn, den Sozialismus, nunmehr als ökologischen oder besser: als demokratisch-nachhaltigen, wieder zu beleben“ (ebd.: 8).

„Heute muss der Sozialismus sich wieder als attraktive Utopie bewähren, um überhaupt gesellschaftlich und politisch Wirkung erzielen zu können.“ (ebd.: 14)

Wie schon in anderen Texten versucht es Dörre mit der Bezeichnung „Neo-Sozialismus“ (Dörre 2018). Die Vorsilbe „neo-„ erschließt sich aus dem Begriff des „Neo-Soul“: „Die Grundelemente bleiben gleich, sie wiederholen sich, werden aber anders interpretiert, rekombiniert, variiert, auseinanderdividiert und wieder zusammengesetzt, bis etwas völlig Neues entsteht“ (ebd.: 29).

Neo- oder Ökosozialismus?

Auf die Frage, warum er sein Konzept nicht „Öko-Sozialismus“ nennt, kommt eine etwas verwunderliche Aussage. Er meint, dies erinnere in Deutschland „an politische Positionen, die von den siegreichen Mehrheitsströmungen in der grünen Partei als Fundamentalismus bekämpft und erfolgreich marginalisiert wurden“ (ebd.: 30). Dies erscheint im deutschen Beitrag von Wikipedia „“ tatsächlich so. Dabei zeigt der englische Eintrag „Eco-Socialism“, dass es international eine viel umfangreichere internationale Tradition gibt, die eine Einschränkung auf die deutsche Debatte in keiner Weise rechtfertigt (die für jüngere Leute wohl auch kaum wichtig ist).

Jason Moore, einer der Hauptautoren der internationalen Debatte, konstatiert den „Zusammenbruch jener Strategien und Verhältnisse, die in den letzten fünf Jahrhunderten die Kapitalakkumulation aufrecht erhalten haben“ (Moore 2015: 8). Deshalb ist der Versuch, einen neuen (Neo-/Öko-)Sozialismus zu etablieren das Ergebnis der „Suche nach einem Notausgang, nach Auswegen aus einer epochalen ökonomisch-ökologischen Zangenkrise, die das Überleben menschlicher Zivilisationen berührt“ (Dörre 2021: 39). Die Ideen des neuen Sozialismus müssen „ihre Überzeugungskraft aus der Notwendigkeit einer Nachhaltigkeitsrevolution beziehen“ (ebd.: 39).  

(ebd.: 39).  

„Die Sozialismen des 21. Jahrhunderts präsentieren sich als Alternative zu einem „Imperialismus gegen die Natur““ (ebd.: 39)

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Diese Literatursammlung bezieht sich auf den Text „Sozialismus-Utopie?“


Bechert, Laura; Dodo; Kartal, Shayli (2021): Kolonialismus & Klimakrise. Über 500 Jahre Widerstand. Berlin.

Benjamin, Walter (1984): Über den Begriff der Geschichte. In: Benjamin, Walter: Allegorien kultureller Erfahrung. Ausgewählte Schriften 1920-1940. Leipzig: Reclam 1984. (mehr …)