Ich habe gestern den wunderbaren Film „Die Architekten“ gesehen. Ich kann ihn allen empfehlen, die etwas über die DDR wissen wollen.

Einige der Wortwechsel sind auch heute noch aktuell. So auch dieser:

 „Du weißt, dass ich ähnliche Probleme sehe. Aber ich versuche, etwas zu tun. Nur durchs Tun kann man etwas verändern.“

„… Natürlich hab ich auch etwas getan. Oft genug. Ich kann nur nicht so tun, als hätte ich keine schlechten Erfahrungen gemacht. Es ist nicht schlimm, dass ich Probleme sehe… Schlimm ist nur, dass ich nichts verändern kann.“

„Aber es tut sich doch was. Überall. Es gibt nur  Hoffnung auf Veränderung, wenn man sich engagiert.“

„Hoffnung…, Ich habe einfach keine Zeit, auf Neues zu hoffen…“

Die streikenden Schülerinnen und Schüler haben das Thema Klimawandel endlich ins Gespräch gebracht. Seit einigen Monaten sickert das Wissen über den Ernst der Lage auch verstärkt über die Medien ins Bewusstsein und verursacht Unbehagen und auch Ängste.

Also muss schnell eine Lösung her. „Flugscham“ im Flieger hilft schließlich nicht wirklich gegen die Erderwärmung. Eine der vorgeschlagenen Lösungen, die CO2-Steuer, ist nicht wirklich neu. Viele in der SPD fordern sie, die CDU/CSU ist dagegen und will lieber den Handel mit Emissionszertifikaten ausbauen. Die SchülerInnen von Fridays4Future fordern eine Steuer von 180 Euro pro Tonne CO2. (Dies wurde vom Umweltbundesamt berechnet als Schaden aus einer Tonne CO2. Ich komme auf diese Berechnung noch einmal zurück).

Meine Position dazu ist nicht so eindeutig. Bei dieser Frage kann es nur ein „Ja, aaaaber…“ geben. Schon die Alternative CO2-Steuer oder Zertifikatehandel ist letztlich nur eine „Illusion der Alternativen“, die den Blick auf echte Auswege verdeckt.

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Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Problemcluster 2: Finalismus, Einlinigkeit, Verlust der Möglichkeitsfelder, Multifaktorialität

Die Übertragung des Keimform-Konzepts aus der Geschichtstheorie in die dementsprechende Antizipation erbt auch die anderen Probleme der Keimform-Geschichtstheorie, so auch jene des Finalismus, der Einlinigkeit und des Verlusts der Möglichkeitsfelder. (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Wenn die Keimformtheorie als Aufhebungstheorie gilt, so wird sie als Geschichtstheorie verwendet. Das, was bisher in geschichtlichen qualitativen Umbrüchen in der Gesellschaft geschah, soll in grundsätzlich derselben Weise (in den genannten 5 Schritten) auch wieder passieren und deshalb kann das Wissen darüber Handlungsorientierungen geben. (mehr …)

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Problem: Abhängigkeit von der Bestimmung der Gegenwart

Das Beispiel mit der Entstehung des Kapitalismus offenbart eine wichtige Problematik dieses Vorgehens für historische Darstellungen und Erklärungen: Es hängt außerordentlich von der Fassung des letztlich erreichten Zustandes ab, welche Faktoren in der historischen Untersuchung überhaupt betrachtet werden. „Die Anatomie des Menschen ist ein Schlüssel zur Anatomie des Affen“ schreibt Marx dazu (MEW 42: 39). Was ist nun aber die „Anatomie des Kapitalismus“? Für Simon und Stefan ist das Wesentliche des Kapitalismus der verallgemeinerte Tauschzwang. (mehr …)

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Von den logischen fünf Schritten des Keimformkonzepts vollziehen sich bei Simon und Stefan die letzten drei auch als zeitlicher „tatsächliche[r] Entwicklungsprozess“ (S&S: 204). Die ersten beiden (logischen) Schritte umfassen die Vorbedingungen (1), bei denen es einen Entwicklungswiderspruch (2) gibt. Danach entsteht im Funktionswechsel (3) eine Keimform, die noch im Alten möglich ist bzw. es sogar stützen kann (wie z.B. Freie Software, bzw. jetzt schon existierende Commons innerhalb des Kapitalismus). Erst danach – auch wieder durch einen bestimmten Entwicklungswiderspruch vorangetrieben – kann diese Form dominant werden (4) und schließlich das ganze System (bis hin zum Erreichen des „Commonismus“) umstrukturieren (5). Der eigentliche „Sprung“ geschieht vor allem im 4. Schritt. Die Dominanz zeigt sich – das wäre zu ergänzen – vor allem darin, dass nun die eigenen (gesellschaftlichen) Existenzbedingungen selbst erzeugt werden. Das nun dominant Gewordene „geht nicht mehr von Voraussetzungen aus, um zu werden, sondern ist selbst vorausgesetzt und, von sich ausgehend, schafft die Voraussetzungen seiner Erhaltung und Wachstums selbst.“ (MEW 42: 372) (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Simon und Stefan „glauben aber, dass die Fünfschritt-Heuristik auch qualitative Veränderungen in anderen Systemen – z.B. Gesellschaften – beschreiben kann“ (S&S: 202). Die Gliederung eines qualitativen Wandels in 5 Schritte ist als Abfolge von „logischen Schritte“ konzipiert: 1. Vorbedingungen, 2. Entwicklungswiderspruch 1 (später folgt ein zweiter Entwicklungswiderspruch), 3. Funktionswechsel, 4. Dominanzwechsel, 5. Umstrukturierung (ebd.: 203). Weiterführend gegenüber anderen Vorstellungen zu Qualitätssprüngen aus Dialektik und z.B. Evolutionsbiologie (vgl. Schlemm 1996: 123ff.) ist bei Holzkamp die Unterscheidung zwischen Funktions- und Dominanzwechsel (Holzkamp 1983: 79f.). Dabei ist es bei Holzkamp eine irgendwann im alten Zustand neu entstandene, später relevant werdende, „Partialfunktion“, deren Entstehung bereits im ersten Schritt untersucht wird, und deren Funktion im dritten Schritt wechselt, bis sie im vierten Schritt dann dominant wird und im fünften zur Umstrukturierung des gesamten Systems führt. (mehr …)