Ich denke, ich lese nicht recht. Als Physikerin im Beruf musste ich immer peinlich genau darauf achten, dass alle Messungen und Berechungen auch wirklich stimmen. Schon im Studium lernt man (hoffentlich), dass man wenigstens die Größenordnung der Ergebnisse stets kritisch beäugen sollte.

Nun stellt sich heraus, dass die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zugeben musste, dass in einer Studie über den Infraschall von Windkraftanlagen von 2005 die Werte dieses Infraschalls um mehrere Tausend mal zu hoch angesetzt worden waren. In diesem Bericht werden Infraschallwerte von mehr als 100 Dezibel angegeben. Und das wäre wirklich ganz schön heftig – das entspricht einem Drucklufthammer oder dem Lärm in einer Diskothek!. Niemandem fiel auf, dass in so einem Schallsignal viel mehr Energie hätte stecken müssen als im gesamten Schallsignal (also über alle Wellenlängen hinweg, nicht nur im Infraschallbereich) (soviel zum kritischen Beäugen).

Aber genau dieser Wert wird seither von Gegnern der Windkraft als Argument verwendet. Das ist ja mal dumm gelaufen. Einen schönen Einblick in die Wissenschaft des Schalls gibt Stefan Holzheu. Er erläutert, inwiefern Schallwellen im Infraschallbereich (also einem Ausschnitt aus dem Wellenlängen- bzw. Frequenzbereich, in dem Schallwellen auftreten können) zwar nicht hörbar sind, wenn sie allerdings viel Energie in sich tragen, d.h. sehr laut sind, doch hör- und spürbar werden können.

Um diesen Energiewert geht es. Er bestimmt den Schalldruckpegel, der beinah (aber nicht ganz!) der Lautstärke entspricht. Werte des Schalldruckpegels werden in Pascal (Pa) angegeben werden (Kraft pro Fläche). Diese Schalldruckpegel/Lautstärken werden üblicherweise in einer logarithmischen Skala dargestellt und letztlich häufig als Schallpegel in Dezibel angegeben (zum Zusammenhang verschiedener Schall-Größen und Umrechnung siehe hier).

Wenn man als Nichtexpertin beginnt, sich in diese akustische Theorie reinzuarbeiten – wie ich grad – , ist das wirklich unübersichtlich. Was man aber verstehen kann, ist die Tatsache, dass es schon komisch ist, wenn behauptete Werte letztlich nie gemessen werden konnten. Ein wissenschaftlicher Mitarbeit der Universität Bayreuth, Stefan Holzheu, ermittelte schließlich die Ursache der Diskrepanz. Ich werde das hier nicht wiederholen, wer mag, kann es nachlesen.

Untypisch für eine wirklich wissenschaftliche Debatte lässt sich wohl der Urheber des Fehlers nicht auf eine sachliche Debatte ein. Auf der Webseite des BGR ist ein Link auf ein Paper ihres Autors mit den falschen Angaben gelöscht worden. In den Windkraftgegner-Seiten wird die Behauptung, er hätte Recht, wohl nie verschwinden.

Aber wir sollten die Wahrheit propagieren, d.h. das, was wissenschaftlich vertretbar ist. Hierzu gehört natürlich, dass Infraschall natürlich in bestimmter Intensität und Stärke auf den Organismus einwirkt, aber längst nicht so massiv wie von Windkraftgegnern behauptet. Die Tatsache, dass eine dreineinhalbstündige Autofahrt die Insassen mit genau so viel Infraschall belastet wie 27 Jahre in 300 Metern Abstand zu einem Windrad, lässt nicht zufällig die allermeisten kalt…

Quellen:

Bernward Janzing: Beim Infraschall verrechnet. taz 22.4.2021.

Stefan Holzheu: Infraschallmessungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), 03.07.2020. Bayreuther Zentrum Ökologie und Umweltforschung (BAYCEER)

Stefan Holzheu: Warum die Infraschalldrücke der BGR falsch sind. 11.08.2020. Bayreuther Zentrum Ökologie und Umweltforschung (BAYCEER)

Eberhard Senkpiel: Form für Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik.

Joachim Wille: Infraschall: Auto versus Windrad. klimareporter. 28.09.2021.