Ich konnte es mir erst kaum vorstellen: Auf der diesjährigen AlterUni, bei der die Themen völlig selbstbestimmt sind und auch keine Punkte für die Teilnahme vergeben werden, fanden sich mehrere Interessierte zusammen, um über das Thema eines menschenwürdigen und selbstbestimmten Lebens im Alter zu diskutieren. Ich kann auch hier das gesamte Gespräch natürlich nicht widerholen, aber wenigstens einige Ergebnisse zusammen tragen.

Wenn wir darüber nachdenken, was wir für ein für ein wünschenswertes Altern tun können, brauchen wir natürlich eine Orientierung, worauf es dabei eigentlich ankommt. Aus Studien und Erfahrungen mit betagten Menschen wurden Faktoren zusammen getragen, die die Lebenszufriedenheit im Alter beeinflussen.

  • Es besteht meistens der Wunsch, noch eine Aufgabe und Verantwortung zu haben. Dies ist in einer dörflichen Gegend oft eher gegeben als in Städten.
  • Es ist wichtig, sich an den vorhandenen Ressourcen zu orientieren statt an den Mängeln.
  • Soziale Kontakte und Freundschaften werden benötigt und dies möglichst generationsübergreifend.
  • Selbstbestimmung statt Bevormundung.
  • Es gibt den Wunsch, von der eigenen Lebensbilanz zu berichten – vor allem in den Städten, wo sie sich nicht in der Gestaltung des eigenen Gehöfts und des Gartens u.ä. zeigen kann.
  • Angstfreiheit
  • Anpassungsfähigkeit gegen das Gefühl, dass die Welt ohne sie weiter läuft.

Alle Anwesenden trugen dann Erfahrungen darüber zusammen, welche Versorgungsstrukturen es schon gibt bei der Unterstützung eines lebenswerten Alterns:

  • Mehrgenerationen-Häuser (zum Wohnen oder als Treffpunkt)
  • Altersgerechte Wohnungen
  • Senioren-WGs
  • Tagesbetreuung
  • Genossenschaften für bestimmte Dienste; Hausmeister, Hilfe…,
  • „Wohnen für Hilfe“
  • Tausend-Taten-e.V. , Besuchs- , Einkaufs-, Spazierdienste,

Bei eventuell notwendig werdenden Umzügen im Alter gibt es natürlich vielfältige Probleme. Außer bei den ehrenamtlichen Hilfen ist es vor allem auch die Frage der Finanzierbarkeit, die für viele die Möglichkeiten beschränkt. Mehrmals wurde beklagt, dass ausgerechnet die so wichtigen Tätigkeiten in der Pflege durch Personal, Angehörige oder Freiwillige in der Gesellschaft viel zu wenig anerkannt werden.

Kathrin, die das Gespräch leitete, machte auch auf andere Probleme aufmerksam. So sind betagte Personen häufig in ihrer Wohnung gut in der Lage, sich zu orientieren – was in einer fremden Umgebung wegfällt. Dadurch verlieren sie schlagartig einen Teil der Fähigkeiten und damit auch der Selbstbestätigung, auf die es doch gleichzeitig so sehr angeht.

Angesichts der Erfahrungen mit älteren Menschen denken wir selbst darüber nach, wie wichtig es ist, sich selbst das eigene Alter und auch die eigene Endlichkeit zuzugestehen. Es ist sinnvoll, bereits vor dem Erreichen von problematischen Lebenssituationen darüber nachzudenken, wie man leben und im Ernstfall auch versorgt werden will.

In der Phase „Wir spinnen mal…“ kam uns die Vision von Seniorenresidenzen in südlichen Ländern, wobei die Euphorie dann allerdings dadurch gedämpft wurde, dass es ja tatsächlich schon derartige Trends gibt: Einerseits ziehen Rentner nach Mallorca (wo sie dann aber bei Pflegebedürftigkeit eher Probleme bekommen), oder demente Verwandte werden gar nach Thailand verschickt, wo sie in die Familien der Pflegepersonen mit aufgenommen werden.

Richtig gut gefallen hat uns eine andere Idee.

Seniorenspielplätze… auf den Eichplatz!

In anderen Städten werden speziell für Betagte aufgestellte Sportgeräte schon gut angenommen und für Jena wäre das echt eine Bereicherung!

Vielleicht finden sich Engagierte, die sich dafür einsetzen.


Durch dieses Thema wurden bei mir Überlegungen angestoßen, die hier im Blog nachgelesen werden können:


Im Kunsthof, in dem einige Veranstaltungen der AlterUni stattfanden, stand gerade das Modell eines Gestaltungsvorschlags für den Eichplatz, um den in Jena derzeit viele Debatten stattfinden. Es geht um eine „Erdhügelpyramide“ 😉

Mehr zu diesem Vorschlag gibt’s bei Jenapolis.