Es ist bereits seit längerem bekannt, dass die Nutzung der Erneuerbaren Energien neue Formen der Stromspeicherung braucht. Außerdem tendiert insbesondere die Photovoltaik zu einer Dezentralisierung der Energieversorgung. Was liegt also näher, als in möglichst viele Häuser mit Solarmodulen nun auch einen Energiespeicher zu stellen.

Die Technik für solche Speicher entwickelt sich rasant (siehe z.B. PHOTON August 2011, S. 114-127). Sie beruht entweder auf Blei- oder Lithium-Ionen-Akkus. Um ihren Einsatz zu fördern und ebenso wie bei den Solarmodulen durch die Massenproduktion die Kosten senken zu können (vgl. 100 000-Dächer-Programm), wird inzwischen schon ein „100 000-Speicher-Programm“ gefordert. Derzeit wird ihre Nutzung indirekt über die Förderung des Eigenverbrauchs stimuliert. Der Traum von der familiären Energieautarkie scheint in greifbarer Nähe…

Dem wird jedoch in zwei Beiträgen der PHOTON, die sich auf die Studie „Effekte von Eigenverbrauch und Netzparität bei der Photovoltaik“ vom Inst. f. ökol. Wirtschaftsforschung gGmbH beziehen, widersprochen.

Ein Problemfeld sind die Kosten. finanziell kann sich die Nutzung eines „persönlichen“ oder „familiären“ Speichers nicht nur nicht lohnen, sondern es kann sein, dass für die geringe Menge zusätzlich vom Stromversorger bezogenen Strom entsprechend höhere Preise verlangt werden.

Das Hauptargument gegen eine Menge relativ kleiner Hausakkus bezieht sich jedoch auf den täglichen Verlauf der Einspeisung von Solarstrom ins Netz. Wenn die Akkus nach der abendlichen und morgendlichen Nutzung leer sind, laden sie sich am Vormittag auf. Alle gleichzeitig… und genau so gleichzeitig werden sie voll sein und der restliche Überflussstrom geht ins Netz. Dies erzeugt eine steile Flanke („Lastsprung“).


Einfluss kleiner Akkumulatoren auf den Einspeiseverlauf
(PHOTON September 2011, S. 26)

Es ist also auf jeden Fall notwendig, zusätzliche große Speichersysteme im Netz zu betreiben, bzw. sog. Smart Grids einzusetzen, welche die Netzbelastung intelligent regulieren. Rein technisch wäre es optimal, wenn die Speicher im Stromnetz integriert betrieben würden. Derzeit dürfen Netzbetreiber nicht gleichzeitig Speicher besitzen.

Bisher beruhte die PV-Förderung vor allem auf dem wirtschaftlichen Interesse des Anlagenbetreibers, insbesondere auch auf Eigenheimen o.ä. Ein ähnlich indivualisiertes Vorgehen ist für die neuen Aufgaben nicht sinnvoll. Eine starke Förderung des Eigenverbrauchs könnte z.B. sogar dazu führen, dass zusätzliche ineffiziente Stromverbraucher angeschafft werden wie elektrische Warmwassergeräte. Die Bereitstellung und Nutzung des elektrischen Strom muss in einem übergreifenden System vermittelt werden. Statt den isolierten Eigenverbrauch zu optimieren kommt es darauf an, den individuellen Verbrauch stärker an das natürlich fluktuierende Gesamtstromangebot anzupassen. Die Studie zum Eigenverbrauch und zur Netzparität verweist auch auf „Modelle des Poolings von PV-Anlagen und Speichern“.

Interessant ist auch eine weitere Möglichkeit: Natrium-Schwefel-Akkumulatoren haben ein besseres Preis-Leistungsverhältnis als die Lithium-Ionenspeicher, brauchen kein seltenes Lithium – sie müssen allerdings in etwas größerem Rahmen und professionell gemanagt werden. Dies spricht für einen Einsatz für ganze Wohnblöcke und eine genossenschaftliche Betriebsform.

Quellen: PHOTON August 2011, S. 3, PHOTON September 2011,S. 24-28, Studie „Effekte von Eigenverbrauch und Netzparität bei der Photovoltaik“ (Inst. f. ökol. Wirtschaftsforschung gGmbH

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