Strompreissenkung durch Anbieterwechsel 

 

Kommen wir nun zu dem, was wir tatsächlich bezahlen. Was geht alles in die Strompreise ein (zu den einzelnen Bestandteilen siehe auch Wikipedia):

  • Erzeugung, Transport und Vertrieb (incl. Netzentgelte, d.h. Entgelt für die Netznutzung)
  • Konzessionsabgabe (Abgabe für die Nutzung öffentlicher Wege für Stromleitungen)
  • EEG-Umlage (Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien im Stromsektor),enthält (2013) reine Förderkosten für Erneuerbare Energien, Entlastung von privilegierten Verbrauchern, Merit-Order-Effekt-Ausgleich, Marktprämie, Liquiditätsreserve )
  • KWK-Umlage (Umlage zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung)
  • § 19-Umlage (Umlagerung für Netzentgeltermäßigungen und -befreiungen für große Stromverbraucher, seit 2012)
  • Offshore-Haftungsumlage (Umlage für Entschädigungszahlungen und Ausgleichszahlungen für Offshore-Windenergieanlagen.)
  • Stromsteuer
  • Mehrwertsteuer

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Abb. 27: Strompreisentwicklung für Haushaltkunden (aus Energy Brainpool 2013, S. 4)

Für den einzelnen Endkunden hängt der Preis auch noch stark davon ab, ob er Neukunde eines Unternehmens ist und ob es in seiner Region einen mehr oder weniger großen Wettbewerbsdruck für die Anbieter gibt. Um Neukunden zu binden, verzichten Unternehmen sogar auf ihre Kostendeckung. Das zeigt die Folge von hohem Wettbewerbsdruck zumindest in einigen Regionen. Allerdings verbleiben ca. 40% der Kunden beim Grundversorger (davon haben aufgrund fehlender Bonität ein Viertel gar keine Möglichkeit zum Wechseln) und diese konnten deshalb ihre Erlöse und Gewinne steigern. Das folgende Bild zeigt weist die Vertriebskosten und den Gewinn explizit aus:

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Abb. 28: Vergleich der Vertriebskosten und Gewinne mit den
übrigen Strompreisbestandteilen (aus Energy Brainpool 2013, S. 26)

Nach der Studie, aus der diese Abbildungen stammen, würde ein stärkerer Wechsel der Stromkunden weg von den Grundversorgern deren Gewinne weiter reduzieren. Für 2013 hätten so ca. 395 Millionen Euro gespart werden können. Während der Strompreis durch eine steigende EEG-Umlage für einen durchschnittlichen Haushalt um ca. 16,20 Euro steigt, ließen sich durch den Umstieg vom Grundversorgertarif in einen Wettbewerbstarif ca. 250 Euro einsparen!

Bilanz

Unter den heutigen Bedingungen müssen wir viel über Geld reden. Geld repräsentiert eine gewisse Bewertung von Aufwendungen, die auch in anderen gesellschaftlichen Verhältnissen aufgebracht werden müssen. Wie das dann organisiert wird, werden sich die Menschen dann gemeinsam neu überlegen. Heute jedoch werden durch die Entwicklung oder den Verzicht auf bestimmte Infrastrukturen und produktive Mittel die Bedingungen dafür vorbereitet. Auch die scheinbar politikunabhängigen Sachfragen und technischen Entscheidungen finden in gesellschaftlichen Kontexten statt. Technik, als Mittel der Regulierung von Beziehungen zwischen stofflichen, energetischen, informationellen und sozialen sowie psychischen Aspekten wird weitgehend nicht nur von außergesellschaftlichen Sachbeziehungen bestimmt, sondern von den Interessen der gestaltenden und entscheidenden Akteure. Diese werden heutzutage im Bereich der Wirtschaft von finanziellen Erwägungen dominiert, die nicht unbedingt in einer mehr oder weniger vernünftigen subjektiven Entscheidung begründet sind, sondern vom Zwang, eingesetztes Kapital profitabel zu verwerten, bestimmt sind. Geht auch die Umwelt darüber kaputt, schreitet der Klimawandel fort, leiden Menschen unter ökologischen und sozialen Desastern… wichtiger als all dies ist die Kapitalrendite.

Das „Leiden“ der Energiekonzerne an dem „unzureichenden Marktpreisen“ führte zum ansonsten kapitalismusuntypischen Ausbremsen einer Wachstumsdynamik. Das Kapital der fossilen Energiekonzerne wiegt schwerer als das Interesse der Menschen an einer ökologisch verträglichen und erschwinglichen Energieversorgung.

Das muss nicht so bleiben!

Mehr Infos

Was kann ich tun?

  • Den Appell gegen die „Sonnensteuer“ von campact unterzeichnen
  • Diese Aktion weiterempfehlen an Freunde und Bekannte
  • Wechseln zu entsprechenden Stromanbietern, z.B. den legendären ElektrizätsWerken Schönau
  • Initiieren und Fördern von allen Initiativen zur „solidarischen Energieversorgung“ (z.B. hier)
  • Bei denen, die sich zur Wahl stellen und gewählt werden bzw. wurden, nachfragen und intervenieren. (Es gibt für einige Regionen, z.B. Rostock, Wahlprüfsteine dazu, und auch nach dem 25.5. kommen die nächsten Wahlen bestimmt… ).
  • Fördern und unterstützen aller regionalen auf dezentrale Vernetzung orientierten Initiativen und Projekte, Orientierung auf die Erzeugung von Synergien statt Konkurrenz zwischen diesen…

antiatom

Literatur

Altmaier, Peter (2013): Reform der PV-Förderung erweist sich als großer Erfolg. Pressemitteilungen des BMUB.
BMUB (2011): Einfluss der Umwelt- und Klimapolitik auf die Energiekosten der Industrie – mit Fokus auf die EEG-Umlage.
Energy Brainpool (2013): Zusammenhang von Strombörsenpreisen und Endkundenpreisen.
EnergyLinkAG (2009/2010): Einführung in den Stromgroßhandel.
Fabeck, Wolf von (2013): Wie Merkel, Rösler und Altmaier die Energiewende zur Kohlewende machen – Hintergrundwissen zur energiepolitischen Diskussion. Wie die Bundesregierung die Energiewende sabotiert und die Stromkunden schröpft. Solarbrief, 3. Ausgabe 2013.
Fürsch, Michaela; Malischek, Raimund; Lindenberger, Dietmar (2012): Der Merit-Order-Effekt der erneuerbaren Energien – Analyse der kurzen und langen Frist.
Lechtenböhmer, Stefan; Samadi, Sascha (2010): Kurzanalyse zur aktuellen Diskussion der mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung verbundenen Kosten und Nutzen.
Mayer, Johannes N.; Kreifels, Niklas, Burger, Bruno (2013): Kohleverstromung zu Zeiten niedriger Börsenstrompreise.
Neuhoff, Karsten; Küchler, Swantje; Rieseberg, Sarah; Wörlen, Christine; Heldwein, Christina; Karch, Alexandra, Ismer, Roland (2013): Vorschlag für die zukünftige Ausgestaltung der Ausnahmen für die Industrie bei der EEG-Umlage. (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung).
Sensfuß, Frank (2011): Analysen zum Merit-Order Effekt erneuerbarer Energien. Update für das Jahr 2010.
Wirth, Harry (2014): Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland.

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