Sogar wenn wir die eben erläuterten positiven Rückkopplungen und Kipp-Punkte, die die Situation in sehr kurzer Zeit dramatisch verschärfen können, außen vor lassen, bietet der wahrscheinliche Anstieg der Temperaturen genug Anlass für Befürchtungen. Schellnhuber erwähnt in dem Interview sein kleines Kind – in der folgenden Darstellung des Deutschen Wetterdienstes wurden die Lebenswelten unserer Kinder und Enkel bezüglich der globalen Temperatur eingefügt.
(Bild: verändert nach DWD 2017).

Auch für mich Ältere wird das Alter mindestens im Sommer beschwerlich und gefährlich. Die orange Kurve zeigt eine Prognose der Anzahl heißer Tage mit mindestens 30°C pro Jahr in Thüringen für den Fall, dass die globale durchschnittliche Erwärmung auf 2 Grad eingedämmt werden kann. Die rote Darstellung zeigt die eher wahrscheinliche Situation, dass die Erwärmung ungebremst weiter geht (Bild: DWD 2017).

Es wird also nicht bei lustigem Badewetter in der Nach- und Frühsaison und etwas längeren Anfahrten in die Skigebiete bleiben, mit denen wir den Klimawandel derzeit noch erträglich finden.

Direkte Hitzeeinwirkungen

Es werden bereits Studien durchgeführt, wie die größere Hitze sich auf Menschen und ihre Arbeitsproduktivität auswirkt (EEA 2017: 289). Es wurde inzwischen festgestellt, dass sich die Todesfälle bei Football-Spielern zwischen 1994 und 2009 in den USA verdreifacht haben, was mit gestiegenen Morgentemperaturen in Zusammenhang gebracht wird (Grundstein et al. 2012). Auch unter Erntearbeitern hat sich die Todeszahl durch Hitze im Zeitraum von 2002 bis 2006 im Vergleich zur den beiden vorigen 5-Jahresperioden ungefähr verdoppelt. (CDC 2008).

Es gibt einen sog. „Wet Bulb Globe Temperature-Index“ (WBGT), mit dem das Ausmaß des Einflusses von Temperatur und Luftfeuchtigkeit (die den Abbau der Hitze erschwert) auf das menschliche Wohlbefinden und auch die menschliche Arbeitsproduktivität erfasst wird. Die Erträglichkeit wird in 5 Kategorien unterteilt und diese sollen auch für Arbeitsplätze als Orientierung der Belastung gelten. Sie werden in der nächsten Zeit immer wichtiger werden. Als noch angemessen gelten für Büroarbeiten Temperaturen von unter 30°C, für leichte körperliche Arbeit unter 28°C und für harte körperliche Arbeit 27°C.


(Bildquelle)

Die Kategorisierung und Ausflaggung dieser Hitzestressbelastungen stammt ursprünglich aus dem Militär, wurde 2002 von amerikanischen Sport-Trainern übernommen und wird wohl auch ihren Weg in die Arbeitswelt finden müssen.
Für die Sektoren Fertigung und Handel wurden für österreichische Gebiete verschiedene Szenarien untersucht (Urban et al. 2014). Bei einem deutlich spürbaren Klimawandel, wie er nach derzeitigen Trends zu erwarten ist, ergeben sich vor allem ab 2036 hohe wirtschaftliche Verluste durch ein Sinken der Arbeitsproduktivität der Menschen wegen der Hitze. Eine Verstärkung der Kühlung erfordert ebenfalls hohe Kosten.

Auch weltweit zeigt sich die wachsende Hitzebelastung bereits. Um 10% sinkt die Arbeitsproduktivität an heißen Tagen. Steigt die mittlere globale Temperatur um zwei Grad, so sinkt sie dann bereits um 26% (Dunne et al. 2013). Die folgende Abbildung zeigt die Prognose der individuellen Arbeitsfähigkeit in Prozent in den nächsten Jahrzehnten für einige Klimaszenarien. Die blaue RCP4.5-Linie steht für den optimistischen Trend, wonach die mittlere globale Temperatursteigerung im Jahr 2100 nur 2,6 Grad beträgt, die rote RCP8.5-Linie dagegen steht für eine Erhöhung um 4,8 Grad im Jahr 2100. Gezeigt ist jeweils ein Bereich zwischen Minimal- und Maximalkurve. Im inneren Diagramm ist die Abhängigkeit der Arbeitsfähigkeit von der Temperatur für schwere, moderate und leichte Arbeiten gezeigt (aus Dunne et al. 2013):

Die folgende Abbildung zeigt die Veränderung der Arbeitsfähigkeit, wenn im oberen Bild (a) die Gegenwart mit einer um 3 Grad wärmeren Welt (b) verglichen wird (aus ebd.):

Im schlimmsten Fall bekommt Washington DC Bedingungen, wie sie jetzt in New Orleans herrschen, in New Orleans wird es dagegen wie jetzt in Bahrain.

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