Noch ist eine Begrenzung der Reduktion des Temperaturanstiegs auf 2 Grad möglich. Dazu wären große Reduktionsraten notwendig (vgl. Rahmstorf 2017). Diese Reduktionsraten sind umso höher, je später die Reduktion beginnt:

Diese Darstellung geht davon aus, dass sich in mehreren Studien gezeigt hat, dass die Temperaturerhöhung linear von den CO2-Emissionen abhängt (weil CO2 besonders lange in der Atmosphäre bleibt und wirkt) (vgl. NOAA/ESRL 2016). Je mehr CO2 sich in der Atmosphäre befindet, sich also in den letzten Jahrzehnten kumuliert hat, desto höher steigt die globale Temperatur. Man kann aus dieser Erkenntnis ableiten, wieviel zusätzliches CO2 noch in die Atmosphäre gelangen darf, bevor die 2-Grad-Grenze Temperaturerhöhung überschritten wird. Das sind 750 Mrd. t CO2. Dann wird die „Leitplanke“ von 2 Grad wenigstens mit einer Wahrscheinlichkeit von 67% nicht überschritten.

„Bis zur Jahrhundertmitte dürfen höchstens noch etwa 750 Mrd. t CO2 in die Atmosphäre freigesetzt werden, wenn die Leitplanke mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 % eingehalten werden soll. Möchte man diese Wahrscheinlichkeit auf 75 % erhöhen, müssen die kumulativen Emissionen im nämlichen Zeitraum sogar unter 600 Mrd.t CO2 bleiben. Nach 2050 darf in jedem Fall weltweit nur noch eine kleine CO2-Menge ausgestoßen werden. Die Ära der von fossilen Energieträgern angetriebenen Weltwirtschaft muss daher noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts zu Ende gehen.“ (WBGU 2009: 2)

Die eben gezeigte Darstellung der Reduktions-Fahrpläne geht von einem Budget von 600 Mrd. Tonnen CO2 aus. Hans-Joachim Schellnhuber berichtet in seinem Buch „Selbstverbrennung“ von der Reaktion im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU):

„Ich erinnere mich gut daran, wie das Blut aus den Beiratsgesichtern wuchs, als die konkreten Zahlen auf den Tisch kamen.“ (Schellnhuber 2015: 468)

Gerecht auf alle Menschen verteilt, müsste sich die anteilige CO2-Reduktion jedes Menschen in der BRD pro Jahr von derzeit ca. 9,4 Tonnen auf 2,5 Tonnen reduzieren. Rockström, Schellnhuber und andere schlagen vor, die fossilen Emissionen in jedem Jahrzehnt zu halbieren (Rockström et al. 2017). Durch individuelle Verhaltensänderungen ist dies, wie man leicht durch ein wenig Herumprobieren an einem der üblichen CO2-Fußabdruckrechner ermitteln kann, gar nicht möglich. Es ist interessant, dass Schellnhuber diese für die Menschen noch verfügbaren 750 Mrd. Tonnen CO2 als „globales Gemeinschaftsgut“ (ebd.: 468) bezeichnet. Wer sollte das Recht haben, über unser Gemeinschaftsgut bestimmen zu dürfen? Haben wir überhaupt mitzureden? Die meisten hier in den Industrieländern profitieren selbst noch von der Art Wohlstand, den fossilgefeuerte kapitalistische Industriegesellschaft für uns bereit hält – davon haben jene noch nicht einmal etwas, die zuerst und am stärksten unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben.

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