Die Ferienuni „Kritische Psychologie“ rief und über 800 Menschen meldeten sich an. Die Räumlichkeiten in der Alice Salomon Hochschule boten nicht so viel Platz wie die Freie Universität bei den letzten Ferienunis. Aber es war viel los.
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Es fanden täglich echte einführende Veranstaltungen in Holzkamps „Grundlegung der Psychologie“ entlang der auch online vorhandenen Einführung von Stefan Meretz statt. Andere Vorträge befassten sich mit philosophischen Grundlagen oder dem Verhältnis zum Marxismus und dessen neueren Entwicklungen. Im Programm gab es auch für die PraktikerInnen viel Raum. Das betraf vor allem die vielfältige Berufspraxis von PsychologInnen. Neu war der Versuch, die Praxis der Kollektiven Selbstverständigung auf der Ferienuni zu beleben und auch durchzuführen. Hier wird der Anspruch der Kritischen Psychologie, Begriffe „für Menschen zur Klärung/Verallgemeinerung je meiner Welt- und Selbsterfahrung“ (Holzkamp) bereitzustellen, ernst genommen.

Ausgerechnet die Open-Space-Zeit am Donnerstag hatte sich die NPD für einen Wahlkampfauftritt in Hellersdorf ausgesucht. Nach dem ausdauernden Buh- und Pfeifkonzert durch viele schnell herbeigeeilte TeilnehmerInnen während ihrer Hetzreden haben sie das sicherlich bereut😉
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Für manche verkürzte sich der theoretische Teil der Ferienuni auch durch die Teilnahme an der großen Anti-TTIP-Demo in Berlin am Samstag nachmittag.
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Von vielen Veranstaltung gibt es die Präsentationsfolien oder andere Dokumentationen auch online. Zu meinem Vortrag schreibe ich auch noch etwas auf. Mein Vortrag hatte dasselbe Thema wie vor zwei Jahren, war aber anders gegliedert und inhaltlich nicht ganz so vollgepackt. Zum Vortrag von vor zwei Jahren gibt es einige Blogbeiträge mit dem Inhalt. Letzlich geht es darin genau um das Thema „Vom Kopf auf die Füße“. Was passiert mit der Dialektik, wenn man versucht, sie von Hegels angeblichem Kopf auf irgendwelche Füße zu stellen? Kann die „logisch-historische Methode“, auf der die Behauptung der Wissenschaftlichkeit von Holzkamps Begriffsentwicklung basiert, überhaupt so aufrecht erhalten werden? (Meine Vortragsfolien gibts schon im Dokumentationsbereich der Ferienuni).

Und wen das alles (zumindest erst einmal) nicht interessiert, kann sich weiterhin auch an der Weiterentwicklung der Praxis der Kollektiven Selbstverständigung beteiligen. Es wird einen Newsletter geben und ziemlich sicher auch mehr und mehr Angebote für solche Gespräche. Dies weist, wie ich schon erwähnt habe, endlich auch über die psychologische Berufsxpraxis hinaus in den „Rest“ der Gesellschaft. Wahrscheinlich wird dieser Weg recht schwer, weil er begrifflich und auch methodisch nicht ganz easy ist – aber das ist die Welt und das sind wir, um die es dabei gehen soll, ja auch nicht. Auch hier gilt, dass der Weg mit dem ersten Schritt beginnt… Wir sind dabei, ihn zu tun.